Das Kohlebergwerk "St.-Martins-Zeche" von Bad Kohlgrub

Geologische Untersuchungen haben ergeben, dass neben der Bahnlinie Kohlgrub in Richtung Murnau ein Braunkohlevorkommen existiert. In der sogenannten "Hoarabauern Wies" östlich vom Jägerhaus treten diese zu Tage.
Bericht aus einem Zeitungsartikel vom 20. Januar 1917:
Kohlgrub. Herr Rentier Heinrich Baumgartner, dem wir unter vielen anderen Wohlfahrts-Einrichtungen auch die Erbauung der elektrischen Bahnlinie Murnau-Oberammergau zu danken haben, hat obwohl schon ein Greis mit 80 Jahren, dank seines unermüdlichen Geistes dem hiesigen Orte, durch die in Angriff genommene Ausbeutung von Steinkohlen die wahre Bedeutung seines Namens begründet. Kur vor Ende des letzten Jahres wurde unter Beiziehung von Fachleuten mit Bloßlegung des Kohlenflözes zwischen Jägerhaus und Grafenaschau begonnen. Die Zeche ist nach dem hiesigen Kirchenpatron "St.-Martins-Zeche" benannt. Bei der jetzt erreichten Tiefe von 4 Metern ist schon eine 70 Zentimeter starke Ader vorhanden, die von Tag zu Tag mit der Ausgrabung zunimmt. Die in hiesiger Gegend vorhandenen Kohlefelder sollen einen Umkreis von ungefähr 30 Quadratkilometer aufweisen. Bis jetzt arbeiten 10 Mann unter Leitung des Herrn Steigers Johann Schnappauf, der sich auch schon früher bei der Auffindung dieses neuen Kohlgegebiets bewährte. Die Arbeiterzahl muss demnächst durch Einstellung von sachkundigen Bergleuten verstärkt werden. Dazu sind auch schon die nötigen Vorbereitungen für Wohnungsbauten in die Wege geleitet. Am heutigen Samstag wurde die erst Fuhre Kohle ihrer Bestimmung mit geschmückten Wagen zugeführt. Möge dieses erste "Glück auf" auf der neuerstandenen "St.-Martins-Zeche Kohlgrub" auch wirklich Glück und Segen der hiesigen Gegend bringen und besonders auch dem bedrängten Vaterlande in diesen schwerzen Zeiten als neue willkommene wenn auch noch kleine Abzahlungsmöglichkeit für die uns von den Feinden so schwer auferlegten Forderungen werden.
Bei Beginn des Bergwerkes waren große Schwierigkeiten zu überwinden. Im dritten Kriegsjahr gab es kein Eisen, keine Stahlseile und kein Werkzeug zu kaufen. Von den Bergwerken Peißenberg und Großweil bekam man nur ausgesondertes Material. Es gab keine maschinellen Arbeitshilfen, überall musste improvisiert werden. Mittels Flschenzug wurden die Bergleute in den Schacht gelassen und wieder hochgezogen, wie auch die geförderte Kohle und der Abraum. Gearbeitet wurde in drei Schichten á 6-8 Mann, Je Schicht ist am Anfang bis zu 8 Zentner Kohle gefördert worden, je tiefer der Schacht abgetäuft wurde, umso geringer wurde die Mächtigkeit des Flözes.
Die Kohle war gut und hatte eine pechschwarze Farbe, der Fachmann spricht von Pechkohle.
Bei der Förderung war viel totes Gestein zu überwinden, das Flöz war zwischen toten Schichten steil eingeklemmt.
Im Jahre 1919 ereignete sich ein schwerer Unfall. Der Bergmann Michael Schwarz von Gagers fuhr mit dem Förderkorb nach unten, das Seil brach und Schwarz stürzte ca. 7 Meter in die Tiefe. Nur weil im Schacht Wasser war, konnte Schwarz mit 13 Knochenbrüchen lebend gerettet werden. Bald nach der Betriebnahme der Förderung ist der Steiger Schnappauf abgezogen worden und durch einen ungelernten Mann, namens Bischl ersetzt worden. Andreas Weber, genannt der "Haxauf", er hatte nur einen Fuß war Buchhalter. Der "Gloas Anderl" wie er auch genannt wurde war der Älteste der vier Glaserbuben und war der Onkel von Georg Weber. Im Jahre 1920 als sich die Verhältnisse wieder normalisierten, wurde die Grube "St.-Martins-Zeche" wieder geschlossen. Das Vorkommen war zu gering.

Zusammenstellung: Martin Doll, Heimatpfleger

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