Die Sage vom Ritterfräulein in der Obernau

 

Vor vielen hundert Jahren stand in der Obernau ein Ritterschloß. Die Bewohner waren böse, rachsüchtige Menschen und hatten mit niemandem Erbarmen. Neben dieser Burg am Geißberg ließ eine arme Frau die Ziegen weiden, die sie jeden Tag von Kohlgrub her über die Geißgasse herauftrieb. Auf ihrem Rücken trug sie ihr kleines Kind mit. Einmal hatte sie nichts zu essen. Da ging sie zur Burg, um ein Stück Brot zu erbitten. Als sie durch das Burgtor kam, begegnete ihr das Burgfräulein, das soeben zur Jagd ritt. Schnell brachte die Frau ihre Bitte vor. Da lachte das Fräulein und sagte: "Geh´ nur ein wenig vor mir her! Ich werde dir schon etwas geben, daß du dein Leben lang genug hast".

Nachdem die arme Frau dem Befehle gehorcht hatte, gab das Burgfräulein dem Pferde die Sporen, sprengte auf Mutter und Kind zu und ritt sie zu Boden. Sterbend lagen die beiden auf der Erde. Da ballte die arme Frau mit letzter Kraft die Faust und fluchte dem ganzen Burghof. Sogleich erhob sich ein furchtbarer Sturm und Roß und Reiterin waren in einen greulischen Frosch verwandelt. Bald darauf kam von Westen her ein starkes Kriegsvolk. Alle Burgbewohner wurden gefangengenommen und die Burg in Brand gesteckt. Das Burgfräulein aber sollte solange in einen Frosch verwandelt bleiben, bis ein unschuldiges Mädchen ihn durch einen Kuß erlöst.